
Genuss
Schlägler Rätsel lösen
In drei Escape Games tauchen die Gäste tief in die Geschichte des Stiftes Schlägl ein und erleben packende Abenteuer.
Der Durchgang in der Mauer der Krypta ist eng, eine größere Öffnung im Gestein, durch das ich mich zwänge. Ich höre es tropfen, die Steine fühlen sich kalt an, die Luft riecht modrig. Und alles ist dunkel. Hatte ich im Ermittlungskoffer neben dem UV-Licht für Blut nicht auch eine Taschenlampe gesehen? „Leuchtet mir mal hier rein, ich sehe nichts“, bitte ich meine Mitspieler. Kurze Zeit später ein heller Streifen. Der flackernde Lichtstrahl fällt auf dunkle Felsen. „Stopp, da ist etwas.“ Ein Blatt Papier steckt in einer Ritze, der nächste Hinweis? Gemeinsam beugen wir uns über den Zettel, den ich aus seinem Versteck holte. „Ich glaube, ich weiß, was gemeint ist, folgt mir“, meint Christian und unsere kleine Detektivrunde spaziert an einer Gruppe vorbei, die staunend in der gotischen Krypta steht und sich ihre Bedeutung erklären lässt. Wir gelangen ins Freie.
Wir spielen das Outdoor Escape Game, das uns an viele Stellen des Stiftes Schlägl führt. „Plötzlich trifft man Menschen, die sonst nie ein Kloster besucht hätten und kommt miteinander ins Gespräch“, freut sich Abt Lukas über die Spieler-Teams, die mit ihren Ermittlungskoffern über das Stiftsgelände streifen. Der Outdoor-Fall basiert wie auch die Indoor-Version auf wahren Begebenheiten, die sich in der langen Geschichte des Prämonstratenser-Chorherrenstiftes zugetragen haben.
Kunstraub im Kloster
Im Archiv hat Prior Petrus einen dicken Zeitungsstapel vor sich und erzählt den historischen Hintergrund unserer Outdoor-Jagd: „Anfang Februar 1975 fand der bis dahin größte Kunstraub in Österreich im Stift Schlägl statt. Eine Bande verschaffte sich Zugang ins Stift und schnitt rund 90 Gemälde aus ihren Rahmen. Diese versteckten sie in den Büschen im Garten und flüchteten mit ihrer wertvollen Beute. Man entdeckte den Raub nicht sofort, sondern erst nach einiger Zeit, als man die leeren Bilderrahmen fand. Die Galerie war leer. Drei Wochen später wurden die Gemälde in Wien wiedergefunden, doch der Raub nie richtig aufgeklärt.“ Auf diesen geschichtlichen Fakten basiert das Outdoor-Spiel – Privatdetektive werden vom Abt beauftragt, den Kunstraub zu lösen.
Im Goldrausch
Auch die Indoor-Variante, die in vier abgeschlossenen Räumen in den Kellergewölben des Stiftes stattfindet, fußt auf der Historie des Stiftes. „Ich habe im Archiv die Aufzeichnungen des Apothekers Ferdinand Steininger gefunden. Er lebte bis 1715, wurde nach seinem Tod posthum in den Orden aufgenommen und beschäftigte sich sehr mit der Herstellung von Edelsteinen wie Rubinen“, erzählt Prior Petrus. „Das dürfte funktioniert haben, es gibt ja heute auch eine Art von Glaskristallen, doch ob das Ganze dem Stift zum Wohlstand verholfen hat, bezweifle ich, das Stift Schlägl war zu dieser Zeit hoch verschuldet.“ Im Spiel wird dieser Fakt aufgegriffen und das Team hat die Aufgabe, mithilfe der Notizen des Apothekers, das Rezept für Gold zu finden. In dessen Labor, in seiner Bibliothek und Versuchsküche müssen viele knifflige Rätsel gelöst werden, bis sich dieser Wunsch erfüllt.
„Die Resonanz auf unsere Escape Rooms ist sehr groß, wir waren viel in den Medien und sind deutlich nachgefragter als gedacht. Auch von den Leuten in der Umgebung wurden sie sehr positiv angenommen, Schule und Betriebe nutzen sie für Ausflüge“, so Prior Petrus. „Als Stift ist unsere Aufgabe nicht nur die Glaubensverkündung, sondern auch die Pflege von Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft sowie der Bildung und des Sozialen. Wir sind nicht eine geschlossene Gemeinschaft in Klausur und die Welt draußen geht uns nichts an. Im Gegenteil, wir sind ein offener Ort und freuen uns, wenn wir Menschen eine niederschwellige Möglichkeit bieten können, mit einem Stift in Kontakt zu kommen.“
Als unsere kleine Gruppe nach Lösung aller Rätsel durch den Stiftshof geht, fällt mir die Inschrift 1618 C im Mauerwerk neben der Kirche auf. Ich grüble, noch ganz im Spielmodus, was es damit wohl auf sich haben mag, und denke an die Worte von Prior Petrus „in unserer Stiftsgeschichte gibt es noch einige Themen, die sich für ein Escape Game eignen würden“ – ein Versprechen.
Mitte August 2026 wurde ein weiterer Escape Room im Stift Schlägl eröffnet: Im Indoor Game „Der Grundstein“ können Spielbegeisterte den Spuren von Kalhoch von Falkenstein folgen, der das Stift im oberösterreichischen Mühlviertel 1218 gründete. Der Legende nach verirrte sich der Adelige im wilden Schneegestöber im undurchdringlichen Böhmerwald und schwor, ein Kloster zu errichten, sollte er sich retten können. Was Kalhoch von Falkenstein im Mittelalter gelang, ist heute im neuen Escape Game die Aufgabe der Teams, die dafür allerdings nur eine Stunde Zeit haben. Begleitet werden sie dabei von der Stimme des Stiftsgründers. Er meldet sich aus dem Off, wenn ein Rätsel erfolgreich gelöst wurde, und gibt Tipps und Hinweise für das weitere Vorgehen.
Neben dem Indoor Game „Der Goldrausch“ und dem Outdoor Game „Der Kunstraub“, das es auch in einer Kinder-Version gibt, ist „Der Grundstein“ bereits das vierte Escape Game, das im Stift Schlägl gespielt werden kann. Die klösterlichen Gewölbe prägen die besondere Atmosphäre der Escape Games, die alle auf historischen Fakten des Stiftes basieren.
Die Teams sollten 2 bis 6 Personen groß sein. Die Spiele sind online unter www.escapestiftschlaegl.at buchbar.





