Bes­tens ver­netzt mit den Habsburgern - Klösterreich
 

Bes­tens ver­netzt mit den Habsburgern

Veröffentlicht von waltergrafik am

Kul­tur

Bes­tens ver­netzt mit den Habsburgern

Stift Lili­en­feld ist seit Ende 2024 eine Sta­ti­on auf der Kul­tur­rou­te Via Habs­burg. Des­halb bie­tet das Klos­ter in der Rei­he „Stifts­geheim­nisse“ eine Spe­zi­al­füh­rung auf den Spu­ren der Habs­bur­ger an.

Mit wei­ßen Hand­schu­hen öff­net Abt Pius vor­sich­tig das brau­ne Schutz­pa­pier, das den Schatz umhüllt, und ent­fal­tet dann umsich­tig einen meh­re­re Male zusam­men­ge­leg­ten Bogen bis ein eng beschrie­be­nes, ca. 60 mal 60 Zen­ti­me­ter gro­ßes Doku­ment vor ihm auf dem Tisch liegt. Im Turm des Abtes, der nur bei beson­de­ren Füh­run­gen besich­tigt wer­den kann, geht ein Rau­nen durch den Raum. „Das ist die Ori­gi­nal-Urkun­de aus dem Jahr 1277, auf Per­ga­ment mit Sie­gel von Rudolf I. von Habs­burg sind hier alle Besitz­tü­mer rund um unser Stift auf­ge­lis­tet, die man von den Baben­ber­gern geschenkt bekom­men hat“, erläu­tert Abt Pius. Die fast 750 Jah­re alte Schrift doku­men­tiert den Über­gang der Herr­schaft – vom aus­ge­stor­be­nen Geschlecht der Baben­ber­ger auf die Fami­lie der Habs­bur­ger, die sich zu einer mäch­ti­gen Dynas­tie, die jahr­hun­der­te­lang die Geschich­te Euro­pas präg­te, ent­wi­ckeln soll­te. „Am Über­gang waren die Habs­bur­ger sehr bemüht, den Baben­ber­gern gut nach­zu­fol­gen und die Leu­te für sich zu gewin­nen“, erzählt Abt Pius. „Von Rudolf I. gibt es eine Legen­de, nach der er einem Pries­ter, der zu einem Ster­ben­den geru­fen wur­de, sein Pferd schenk­te – auf die­se Wei­se ver­such­te man damals, das neue Herr­scher­ge­schlecht popu­lär zu machen.“ 

Auf Pil­ger­rei­se

Das Zis­ter­zi­en­ser­stift Lili­en­feld, das zwei Tages­rei­sen von Wien auf dem Weg zum Wall­fahrts­ort Maria­zell lag, wur­de von zahl­rei­chen Habs­bur­gern besucht und birgt folg­lich vie­le Erin­ne­run­gen an sie. Auf einer Pil­ger­rei­se nach Maria­zell war auch Cim­bur­gis von Maso­wi­en, die als Mut­ter von Fried­rich III., dem ers­ten Habs­bur­ger auf dem Kai­ser­thron des Hei­li­gen Römi­schen Rei­ches, als eine der Stamm­müt­ter der Fami­lie gilt. Als sie auf dem Weg starb, wur­de sie in der Kir­che von Stift Lili­en­feld begra­ben. „Die­ses Aqua­rell von ihr, das spä­ter ange­fer­tigt wur­de, hat sich erhal­ten“, so Abt Pius und prä­sen­tiert ein klei­nes Gemäl­de. „Sie soll eine sehr star­ke Frau und in der Lage gewe­sen sein, ein Huf­ei­sen mit blo­ßen Hän­den zu verbiegen.“

Wie Cim­bur­gis waren auch die nach­fol­gen­den Habs­bur­ger Gene­ra­tio­nen sehr fromm und pil­ger­ten oft von Wien nach Maria­zell. In vie­len Klös­tern des Lan­des lie­ßen sie weit­läu­fi­ge Räum­lich­kei­ten für sich ein­rich­ten, um bei Besu­chen stil­voll unter­zu­kom­men. Wäh­rend in sehr vie­len Stif­ten Öster­reichs der jewei­li­ge soge­nann­te Kai­ser­trakt kaum genutzt wur­de, war in Stift Lili­en­feld das genaue Gegen­teil der Fall. Hier führ­te von den kai­ser­li­chen Zim­mern sogar ein eige­ner Durch­gang zu einem Bal­kon in der Kir­che, dem soge­nann­ten Kai­ser­ora­to­ri­um, von dem die hohen Herr­schaf­ten an den Mes­sen teil­neh­men konn­ten, ohne vom Volk gese­hen zu wer­den. „Leo­pold I., der 47 Jah­re lang regier­te, obwohl man für ihn zunächst ein geist­li­ches Amt vor­sah, war hier. Kai­se­rin Maria The­re­sia besuch­te Stift Lili­en­feld eini­ge Male. Die Habs­bur­ger-Besu­che rei­chen bis zu Kai­ser Franz Joseph“, so Abt Pius, der vor kur­zem sogar selbst mit Paul Habs­burg-Loth­rin­gen einen Nach­kom­men von Sisi und Franz Joseph im Stift Lili­en­feld begrü­ßen konn­te. 

Por­träts im Prälatensaal

Der Zis­ter­zi­en­ser­abt und der Trä­ger des his­to­ri­schen Namens lie­ßen sich vor einem Gemäl­de von Leo­pold II. foto­gra­fie­ren, dem Stift Lili­en­feld viel zu ver­dan­ken hat. Er gilt den Mön­chen als zwei­ter Stif­ter ihres Klos­ters, da er es 1790, ein Jahr nach­dem es sein Bru­der Kai­ser Joseph II. im Zuge sei­ner umstrit­te­nen Kir­chen­re­form auf­ließ, wie­der­be­leb­te. Heu­ti­ge Gäs­te kön­nen im Prä­la­ten­saal sehen, wie unter­schied­lich beliebt die bei­den Brü­der waren: wäh­rend das Gemäl­de von Leo­pold II., auf dem er den Plan des Stif­tes in Hän­den hält, an pro­mi­nen­ter Stel­le hängt, ist das Bild von Joseph II., in die hin­ters­te Ecke des Saa­les ver­bannt und das Papier in der Hand des Por­trä­tier­ten leer.

Eben­falls in der Gemäl­de­ga­le­rie hängt ein Bild­nis von Marie Loui­se, die mit 18 Jah­ren eine Leid­tra­gen­de der Habs­bur­ger Hei­rats­po­li­tik wur­de, die sich im Leit­spruch „Krie­ge mögen ande­re füh­ren. Du, glück­li­ches Öster­reich, hei­ra­te!“ mani­fes­tier­te. Um die feind­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit Napo­le­on zu been­den und die Posi­ti­on der Habs­bur­ger zu stär­ken, ent­schied die Fami­lie auf Betrei­ben Fürst Met­ter­nichs, Marie Loui­se dem fran­zö­si­schen Kai­ser zur Frau zu geben. Für die jun­ge Erz­her­zo­gin, die Napo­le­on ver­ab­scheu­te, da er ihrem Vater Nie­der­la­gen und Demü­ti­gun­gen zuge­fügt hat­te, bedeu­te­te das „eine schlim­me­re Qual als alle nur denk­ba­ren Mar­ty­ri­en“. Doch trotz des dra­ma­ti­schen Beginns ent­wi­ckel­te sich die Ehe gut, Marie Loui­se gebar Napo­le­on einen Sohn und ging in ihrer Rol­le als fran­zö­si­sche Kai­se­rin auf. 

Abt als Vertrauter

Nach dem Sturz und der Ver­ban­nung Napo­le­ons kehr­te Marie Loui­se an den Wie­ner Hof zurück, der nun ihr und ihrem fran­zö­si­schen Lebens­stil gegen­über nega­tiv ein­ge­stellt war. „In Schön­brunn war man ihr nicht mehr wohl­ge­son­nen, sie war die Gat­tin des ehe­ma­li­gen Fein­des“, so Abt Pius. „Aus die­sem Grund kam Marie Loui­se für eini­ge Zeit ins Stift Lili­en­feld, weil­te im Kai­ser­trakt und ver­brach­te viel Zeit mit Abt Pyr­ker, der mit ihrem Vater Kai­ser Franz II. befreun­det war. Er beglei­te­te sie auf Aus­flü­gen und unter­hielt sich aus­gie­big mit ihr.“ 

Der in der Geschich­te des Zis­ter­zi­en­ser­klos­ters bedeu­tends­te Abt beschrieb die Begeg­nun­gen mit der Ehe­frau Napo­le­ons in sei­nen Memoi­ren: „Von den Gegen­stän­den der Gesprä­che will ich nur ein paar jener erwäh­nen, die sich auf ihren damals vier­jäh­ri­gen Sohn und den Kai­ser Napo­le­on bezo­gen. Als ich ihr sag­te, wie sehr sich die Wie­ner freu­ten, sooft sie ihren klei­nen Prin­zen aus­fah­ren sehen und beson­ders dar­über, dass er ihnen auf ihre Grü­ße so freund­lich dan­ke, erwi­der­te sie: ‚Ich will ihn früh­zei­tig leh­ren, sich freund­lich gegen jeder­mann zu beneh­men.‘“ 

Abt Pyr­ker orga­ni­sier­te für Marie Loui­se eine Rei­se nach Maria­zell in der Stei­er­mark und auf dem Rück­weg eine Besich­ti­gung des Las­sing­fal­les in den Ötscher­grä­ben, den die Kai­se­rin als schöns­ten Was­ser­fall, den sie je gese­hen habe, bezeich­ne­te. Er zeig­te ihr abends bei Ker­zen­schein die Hal­len der gro­ßen goti­schen Stifts­kir­che und die Kreuz­gän­ge. „Wäh­rend die­ser schau­er­li­chen Wan­de­rung kamen nur ein­zel­ne bewun­dern­de Wor­te aus ihrem Mun­de. Sie stand öfters stil­le und schien in tie­fe Betrach­tun­gen versunken.“

Wan­de­run­gen mit den Habsburgern

Der gute Kon­takt zum Hof setz­te sich auch nach dem Besuch von Marie Loui­se fort. „In den fol­gen­den drei Jah­ren hat­te ich das Glück, von den Her­ren Erz­her­zo­gen Karl, Johann, Rai­ner und Lud­wig abwech­selnd im Stif­te besucht zu wer­den und mit ihnen öfters durch meh­re­re Tage Aus­flü­ge in das Hoch­ge­bir­ge zu machen“, schil­dert Abt Pyr­ker, der sich auch dich­te­risch betä­tig­te und unter ande­rem ein Hel­den­epos über Rudolf I. von Habs­burg ver­fass­te. 

Von Rudolf, dem ers­ten Habs­bur­ger König, bis zum letz­ten Kai­ser von Öster­reich, Karl. I., reicht der Stamm­baum der Habs­bur­ger Mon­ar­chie – und auch die Erin­ne­run­gen an sie im Stift Lili­en­feld. Davon zeugt ein wei­te­res Juwel, das Abt Pius den Teil­neh­men­den der Spe­zi­al­füh­rung als krö­nen­den Höhe­punkt der Spe­zi­al­füh­rung prä­sen­tiert: der Hir­ten­stab, den der 1918 von den Staats­ge­schäf­ten zurück­ge­tre­te­ne Karl I. im Schwei­zer Exil dem letz­ten Hof­bi­schof schenkte.

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