
Genuss
Paradies für Kultur-Fans und Gourmets
Feinste Weine, köstlicher Käse und einzigartige Kunstschätze – wie im Himmel fühlen sich Gäste, die Kloster Neustift in Südtirol auf einer exklusiven Deluxe-Führung entdecken.
Abschließend genießen Sie den CaRuBlù, einen Blauschimmelkäse, der aus der frischen Milch der Kühe, die im Freien leben, hergestellt wird. Man merkt das Aroma der Bergkräuter. Die Rinde des Käses ist überzogen mit gerösteten, in Rum getauchten und zerkleinerten Kakaobohnen. Der CaRuBlù riecht etwas nach Leder, nach getrockneten Pilzen und schmeckt süßlich mit einer leicht pikanten Note. Dazu probieren Sie den Moscato Rosa der Praepositus Linie, seine Farbe ist ein funkelndes Granatrot mit ziegelroten Reflexen, man riecht und schmeckt Rosen, Walderdbeeren, Zimt und Bitterschokolade – die perfekte Begleitung für den CaRuBlù.“ Die Worte unseres Guides Arianna in den Ohren und den Geschmack des Käses und Weines am Gaumen lehne ich mich zurück, schließe die Augen und gebe mich ganz dem Genuss hin. Das Zusammenspiel, das sich aus dem Bissen CaRuBlù und dem Schluck Praepositus ergibt, ist unglaublich. Schmeckt der Käse für sich schon hervorragend, entfaltet sich gemeinsam mit dem Wein im Mund ein kleines Feuerwerk an Aromen. Ein Wow-Moment, der sich in der letzten halben Stunde bei unserer Verkostung immer wieder einstellte: beim Ziegencamembert mit Grünem Veltliner, beim Graukäse mit Sylvaner, beim Bio-Bergschnittkäse mit Gewürztraminer und beim Alpkäse mit dem Pinot Noir.
Zum Abschluss der Deluxe-Führung durch das Kloster Neustift verkosten wir – umgeben von Gemälden historischer Persönlichkeiten – exquisite Rohmilchkäse des Käseaffineurs Hansi Baumgartner in Kombination mit außergewöhnlichen Weinen aus dem Weinkeller des Klosters und tauchen komplett in eine Welt des Wohlgeschmacks und der Aromen ein. Dabei war die vorausgegangene Zeit, in der uns Arianna das Kloster und seine Umgebung zeigte, und zu Ecken und Räumlichkeiten brachte, die Gästen sonst verborgen bleiben, bereits von Staunen und Genuss geprägt.
„Auf unserer Deluxe-Tour lassen wir Sie die Essenz von Kloster Neustift entdecken“, versprach unser Guide zu Beginn und öffnete die Tore zum Stiftsgarten, der zur Klausur gehört. Wo sonst die Augustiner-Chorherren Ruhe und Erholung finden, spazierten wir an den Streuobstwiesen vorbei, auf denen alte Südtiroler Apfelsorten gedeihen, querten den Kräutergarten mit seinen zahlreichen Heil- und Gewürzpflanzen und erfreuten uns am barocken Ziergarten, an den Ginkobäumen und am Mammutbaum, der 1870 gepflanzt wurde.
Wein-Genuss im Garten
Im Pavillon inmitten der Streuobstwiese erwartete uns der erste edle Tropfen, der Insolitus Minus. „Ein Sommerwein für warme Tage. Die Insolitus-Linie bietet Raum für Innovationen und Weiterentwicklung, hier experimentiert man gerne im Weingarten und in der Kellerei, beispielsweise mit Ton-Amphoren, einer Aufbewahrungsart, die bereits die Römer nutzten, oder mit der sanften Reduzierung des Alkoholgehalts wie beim Minus.“
Ein Experiment der ganz anderen Art, brachte während der Corona-Pandemie in den Innenräumen des Klosters Erstaunliches zutage: im Vorraum der Bibliothek legte man unter sieben Schichten Putz zarte Wandmalereien frei – das Chinesische Kabinett, das um 1780 entstand, als in Europa fernöstliches Interieur in Mode war.
Ebenfalls aus der Rokoko-Zeit stammt die Stiftsbibliothek, die für sich gesehen bereits ein Kunstwerk ist. Über zwei Etagen werden die Bände, die für die Ausbildung der jungen Priester und Ordensbrüder genutzt wurden, in einem prächtigen Rahmen mit Verzierungen in Weiß und Gold präsentiert. Seltene Schätze wie etwa ein 40 Kilo schweres Buch mit Messgesängen aus dem 15. Jahrhundert finden sich in Glasvitrinen. „Neben diesem Wikipedia von damals gab es auch einen famosen Giftschrank, in dem einige ‚verbotene‘ Werke verwahrt wurden“, ließ Arianna die Vergangenheit lebendig werden.
Mit den Engeln auf Du und Du
58 Augenpaare aus der Historie blickten auf uns in einer dreigeschossigen Halle herab. Sämtliche Pröpste des Klosters sind in diesem der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Raum auf Gemälden verewigt – mit einem Attribut, das auf eine Leistung oder Errungenschaft während der Amtszeit des
jeweiligen Klostervorstehers hinweist. „Es gab einen Prälaten, der eine sehr künstlerische Begabung hatte und malte“, so Arianna, „das Bild, das ein Vinschgauer Maler von ihm für diese Galerie anfertigte, gefiel ihm nicht und so griff er selbst zu Pinsel und Farbe und schuf dieses Selbstbildnis, auf dem er verschmitzt lächelt.“
Über die Hartmannskapelle, die ein junger Künstler über dem vermutlich ehemaligen Zimmer des seligen Hartmann, der das Kloster 1142 gründete, schuf, um sich für die Mitgestaltung der Stiftskirche zu empfehlen, gelangten wir in eben diese. Doch wir betraten die Basilika nicht wie gewohnt, wir gelangten unmittelbar auf die Westempore, auf der sich die Augustiner-Chorherren in der warmen Jahreszeit zum Chorgebet treffen. Das holzvertäfelte Chorgestühl und die beiden prächtigen Orgeln im Rücken, schwebten wir hoch über dem Kirchenschiff – ein einmaliger Blick aus Engelsperspektive. „Die Stiftskirche ist ein Gesamtkunstwerk, entstanden aus der Verschmelzung verschiedener Kunstgattungen. Alle Künstler haben hier zusammengewirkt, manche Bilder gehen dreidimensional in den Stuck über, wie der Mantel des Soldaten dort. Die Fenster sind durchsichtig, um möglichst viel Licht einzulassen, alles ist hell und ausgestrahlt, man schuf einen Vorraum des Paradieses“, so unser Guide, während wir zwischen den Engelsfiguren auf der Balustrade die Aussicht bewunderten. 365 Engel gibt es in der Kirche, für jeden Tag einen.
Rarität in den Reben
Wie diese himmlischen Geschöpfe zur Basilika, gehören die Weinhänge zum Kloster, sieben Hektar umschließen es sanft. Vor nahezu jeder Reihe der Reben gedeiht ein Rosenstock. Das edle Gewächs ist keine reine Dekoration, sondern ein – sehr schön anzusehendes – Warnsystem im Weingarten, das anzeigt, wenn Handlungsbedarf in der Pflege besteht. In dieser malerischen Kulisse verkosteten wir eine besondere Rarität: einen Pinot Grigio von 2019 der Praepositus Linie, dessen Trauben in besonderen Lagen reifen und sehr hochwertige und lagerfähige Weine entstehen lassen. „Er schmeckt nach Apfel, Birne, Holz und Honig, nach warmen Aromen, ist vollmundig am Gaumen, nussig, rund und stammt aus unserem historischen Keller, der zu den ältesten Kellergewölben der Welt zählt.“ Kein Wunder, werden doch im Kloster Neustift seit nahezu 900 Jahren Weine produziert. Lange Zeit war Wein das sauberste Getränk, das man zu sich nehmen konnte, er galt als Lebensmittel und war ein kostbares Produkt, mit dem man die Handwerker und die Laien, die im Kloster arbeiteten, bezahlte. Seine Bedeutung in früheren Zeiten erkennt man auch an den Eingangstüren, die in die Kirche und in den Keller, der sich fast unter dem gesamten Klosterareal befindet, führen: sie sind beide nahezu gleich groß.
Mein Blick fällt wieder auf die Gläser, die mit den großartigen Weinen aus diesem Keller gefüllt sind, und mit dem jeweils passenden Käse perfekt harmonieren, und ich freue mich auf den genussvollen Ausklang dieses einzigartigen Tages.
Kloster Neustift entdecken
Das ganzjährig geöffnete Augustiner-Chorherrenstift in der Nähe von Brixen ist eine der bedeutendsten Klosteranlagen im Alpenraum. Sein Museum birgt Schätze aus Romanik, Gotik und Barock.
Besichtigungen & Führungen
Gäste haben verschiedene Möglichkeiten, das Kloster kennenzulernen. Rundgänge mit Audioguide gibt es für Erwachsene und Kinder. Der barocke Garten kann in den Sommermonaten von Donnerstag bis Samstag besichtigt werden. Stiftsführungen durch die Kirche, den Kreuzgang mit seinen gotischen Fresken, das Museum (mit Kostbarkeiten vom Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit) und die Bibliothek werden für Erwachsene und Schulklassen angeboten, letztere können auch den Kurs „Schreiben wie im Mittelalter“ absolvieren. An Sonn- und Feiertagen ist Kloster Neustift nicht geöffnet.
Sonderausstellungen: Spannende Themen – von Aspekten der Klostergeschichte bis zur zeitgenössischen Kunst – werden jährlich im Rahmen von Sonderausstellungen präsentiert. Zudem zeigt die Kunstkammer in der Reihe „Kunstwerk des Monats“ Objekte aus den Neustifter Pfarreien.
Weinführungen & Verkostungen
Eine 90-minütige Führung durch die Weinberge mit Verkostung von vier Weinen kostet pro Person € 25,- und kann zu festen Terminen online gebucht werden. Die exklusive Deluxe-Führung „Kunst, Wein und Käse“ dauert drei Stunden (zzgl. Genuss-Ausklang mit Käse und Wein) und wird zu individuellen Terminen durchgeführt (€ 600,– bis 4 Personen).
Für Gruppen werden individuelle Angebote für Führungen und Verkostungen erstellt.
Museumsshop & Enothek
Die gut sortierte Enothek bietet neben den stiftseigenen Weinen auch Tresterbrände, Apfelsäfte, Apfelchips, Kräutertees, Honig, Brot, Naturkosmetik und ätherische Öle. Im Museumsshop gibt es Schönes aus dem Klosterhandwerk wie Schmuckstücke, edle Souvenirs oder Weihrauch. Viele Produkte können auch online bestellt werden.
onlineshop.kloster-neustift.it/de/
Stiftskeller
Von Montag bis Samstag werden Südtiroler Snacks und kleine Gerichte sowie Gutes aus der Neustifter Landwirtschaft und die stiftseigenen Getränke und Weine serviert. Von der Terrasse können Gäste den Blick auf die Engelsburg aus dem 12. Jahrhundert und die malerischen Weinberge genießen.
Übernachten
Für Besucherinnen und Besucher stehen im Bildungshaus 29 Einzel- und 19 Doppelzimmer mit eigenem Bad, aber ohne TV-Gerät zur Verfügung. Das Angebot an Seminaren und Lehrgängen ist sehr umfangreich und gliedert sich in die unterschiedlichsten Bereiche: von der Berufs- und Arbeitswelt über die Themen Glaube, Trauer, Kultur und Gesundheit bis Umwelt.




