„Eine Aus­zeit, die mehr kann als ein Wellness-Urlaub“ - Klösterreich
 

„Eine Aus­zeit, die mehr kann als ein Wellness-Urlaub“

Veröffentlicht von waltergrafik am

Per­sön­lich

„Eine Aus­zeit, die mehr kann als ein Well­ness-Urlaub“

Der TV-Jour­na­list und Direk­tor des ORF-Lan­des­­stu­dio Nie­der­ös­ter­reich Alex­an­der Hofer tauscht zwei­mal im Jahr die Welt des Fern­se­hens und Enter­tain­ments gegen eine Woche der Ruhe und Zurück­ge­zo­gen­heit im Stift Alten­burg ein.

Wann und wie kam es zu Ihrer ers­ten Kloster-Auszeit?

Alex­an­der Hofer: Mei­nen ers­ten Klos­ter-Auf­ent­halt habe ich vor acht, neun Jah­ren gemacht. Da das Berufs­le­ben im All­tag doch sehr, sehr for­dert, war ich auf der Suche nach einer Aus­zeit, die etwas mehr kann als nur ein Well­ness-Urlaub. Nach eini­ger Suche, wel­che Ange­bo­te es für Urlaub im Klos­ter in Nie­der­ös­ter­reich gibt, bin ich auf das Stift Alten­burg auf­merk­sam gewor­den. Ich habe dort eini­ge Tage ver­bracht und erkannt, dass das eine ganz spe­zi­el­le Mög­lich­keit ist. Sie beinhal­tet zum einen die­ses „Run­ter­fah­ren­kön­nen“ in einer Umge­bung, die nicht gleich an das erin­nert, was man im All­tags­le­ben gewohnt ist, und auf der ande­ren Sei­te den Kon­takt zum Abt, zum Pri­or, zum Kon­vent, der mich unheim­lich freund­lich auf­ge­nom­men hat. Dar­aus ist über die Jah­re eine wert­vol­le Freund­schaft ent­stan­den. Ich merk­te, dass es gelingt, kör­per­lich wie see­lisch die Bat­te­rien wie­der auf­zu­la­den. 

Ich neh­me ger­ne an der Tages-Lit­ur­gie teil und bin bei den Gebets­zei­ten wie 6 Uhr Lau­des, 12 Uhr Mit­tagshore, 18 Uhr Ves­per dabei. Dadurch bekommt der Tag eine Ord­nung, einen Rhyth­mus. Dazwi­schen ver­brin­ge ich viel Zeit beim Spa­zier­ge­hen oder Lesen und die­se Kom­bi­na­ti­on erzeugt die­se wert­vol­le Rekrea­ti­on. Mitt­ler­wei­le ver­brin­ge ich im Jahr zumin­dest zwei Auf­ent­hal­te im Stift Alten­burg, ein­mal im Früh­jahr und ein­mal im Herbst und dazwi­schen besu­che ich die Freun­de auch, wenn ich in der Nähe bin.

Bit­te beschrei­ben Sie sich kurz – vor und nach Ihrem Auf­ent­halt.

Alex­an­der Hofer: Die Tage vor mei­nem Klos­ter­auf­ent­halt bin ich vol­ler Vor­freu­de dar­auf, in einen ande­ren Tages­rhyth­mus als gewohnt zu kom­men und ein­mal ein biss­chen etwas hin­ter mir zu las­sen und mich auf etwas ande­res zu kon­zen­trie­ren. Nach der Rück­kehr ver­su­che ich schon seit län­ge­rer Zeit, man­ches an inne­rer Ruhe in den All­tag mit­zu­neh­men, um sie in Situa­tio­nen, die etwas for­dern­der sind, abzu­ru­fen. Das gelingt immer bes­ser. Nur irgend­wann ist sie dann auch auf­ge­braucht. 

Was kön­nen wir von den Mön­chen ler­nen? 

Alex­an­der Hofer: Auf jeden Fall den Schwer­punkt, fixe Zei­ten am Tag aus­schließ­lich dem Gebet zu wid­men. Das macht zum einen den Tag geord­ne­ter, man kann bes­ser unter­schei­den zwi­schen den Zei­ten, die nur einer Tätig­keit gewid­met sind, und dem All­tag. Zum ande­ren ist das bewuss­te Kon­zen­trie­ren auf Wesent­li­ches, etwas, das in unse­rem oft hek­ti­schen und unüber­sicht­li­chen Leben nicht regel­mä­ßig vor­kommt. Das kann man ler­nen und ver­su­chen mitzunehmen.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Punkt ist das Gemein­schafts­ge­fühl, im bes­ten Sin­ne des Wor­tes. Man lebt, arbei­tet und betet gemein­sam, genießt aber auch gemein­sam die Rekrea­ti­on, unter­hält sich und hat es lus­tig, denn es wird natür­lich Gott sei Dank auch viel gelacht im Kloster.

Das sind Din­ge, die mir beson­ders auf­fal­len und die man, wenn man wie­der raus- und zurück in sein eige­nes Leben geht, ganz gut mit­neh­men kann. Das gelingt natür­lich nicht im vol­len Umfang, aber je öfter ich einen Klos­ter-Auf­ent­halt habe, des­to mehr ver­su­che ich, die­se Din­ge aktiv in mei­nen All­tag ein­zu­bau­en. Bei­spiels­wei­se begin­ne ich per­sön­lich den Tag zuhau­se ger­ne mit der Lau­des, zu ande­ren Gebets­zei­ten kom­me ich nicht, aber das ist mitt­ler­wei­le ein Fix­punkt für mich, der auch einen kla­ren Start in den Tag bedeu­tet. Wenn man sich in der Früh ganz bewusst Zeit dafür nimmt, beginnt man den Tag ganz anders.

Bit­te schil­dern Sie Ihren Tages­ab­lauf im Kloster.

Alex­an­der Hofer: Ich ste­he früh auf, mache mich fer­tig und gehe um 6 Uhr zum Mor­gen­ge­bet. Nach der Kon­vent­mes­se um 7.15 Uhr und dem Früh­stück ver­su­che ich dann – je nach Wit­te­rung – rela­tiv rasch raus­zu­ge­hen, mich zu bewe­gen und das Wald­vier­tel zu erkun­den. Um 12 Uhr gibt es das Mit­tags­ge­bet, danach das Mit­tag­essen und im Anschluss meist noch eine net­te Gele­gen­heit, beim Kaf­fee­trin­ken mit den Kon­vent­mit­glie­dern ins Gespräch zu kom­men. Wenn ich im Klos­ter bin, gön­ne ich mir den Luxus, mich eine Stun­de hin­zu­le­gen, das tut sehr gut. Den Nach­mit­tag ver­brin­ge ich größ­ten­teils auch wie­der drau­ßen oder ver­tie­fe mich in die Lek­tü­re, die ich mit­ge­bracht habe. Nach der Ves­per um 18 Uhr und dem Abend­essen, plau­de­re ich je nach Mög­lich­keit ger­ne mit dem Abt. Und dann – und das ist der Luxus die­ses Auf­ent­hal­tes – zie­he ich mich bald und rela­tiv früh auf mein Zim­mer zurück und gehe schla­fen, weil im Leben drau­ßen der Schlaf ein biss­chen zu kurz kommt. Die Ruhe in den alten Gemäu­ern und die fri­sche Wald­luft sor­gen für eine gute Erho­lung und machen den Auf­ent­halt zu einem ent­span­nen­den Kurzurlaub.

Schal­ten Sie Ihr Han­dy wäh­rend des Auf­ent­hal­tes ab?

Alex­an­der Hofer: Ehr­li­cher­wei­se schaf­fe ich es nicht ganz, das Han­dy kom­plett aus­zu­schal­ten, mich ganz aus­zu­klin­ken. Aber ich schaf­fe es, die Zei­ten, in denen ich schaue, ob etwas ange­kom­men ist, und das Han­dy kon­su­mie­re, auf kur­ze Zei­ten zu redu­zie­ren. Es ist eine deut­li­che Reduk­ti­on gegen­über mei­ner Nut­zung des Smart­phones im Alltag.

Wie reagie­ren Ihre Mit­men­schen auf Ihre Kloster-Auszeit?

Alex­an­der Hofer: Am Anfang sehr über­rascht. Auf­grund mei­ner Kalen­der­ein­trä­ge weiß man, dass ich zwei­mal im Jahr im Klos­ter bin und dass das für mich sehr wich­ti­ge Zei­ten sind. Ich erzäh­le immer wie­der davon und gebe mei­ne Erfah­run­gen ger­ne wei­ter. Es hat auch schon einen Kol­le­gen gege­ben, der das auch pro­biert hat. Denn ich emp­feh­le die­sen kur­zen Rück­zug aus dem Leben und kann nur Schö­nes, Posi­ti­ves, Ent­span­nen­des und Berei­chern­des dar­über berichten.

Man merkt mir das auch an, wenn ich zurück­kom­me. Als mei­ne Söh­ne noch klei­ner waren, mein­ten sie ein­mal, als ich etwas unleid­lich war, dass es wie­der an der Zeit für einen Auf­ent­halt im Stift Alten­burg wäre. Das ist mitt­ler­wei­le eine Art Run­ning Gag im Klos­ter gewor­den. Wenn ich kom­me, fra­gen die Patres, ob mich mei­ne Fami­lie wie­der geschickt hät­te. 

Haben Sie auch schon ande­re Arten des Rück­zugs wie das Pil­gern für sich entdeckt?

Alex­an­der Hofer: Nein, noch nicht, aber das wür­de mich rei­zen. Man sagt ja, dass es im Gehen gut und schnell mög­lich ist, auf ande­re Gedan­ken zu kom­men, zu reflek­tie­ren. Gera­de wenn man erschla­gen wird von aktu­el­len Infor­ma­tio­nen, von lan­gen To-Do-Lis­ten, soll­te man sich Zeit und Raum neh­men, über man­che Din­ge nach­zu­den­ken, das funk­tio­niert beim Gehen sicher eben­falls sehr gut. Auch das Gefühl, in ein paar Tagen ein Ziel zu errei­chen, hat einen gro­ßen Reiz. Das könn­te ich mir für mich gut vorstellen.

Wem wür­den Sie eine Aus­zeit im Klos­ter empfehlen?

Alex­an­der Hofer: Ich kann es jedem emp­feh­len. Es ist von Vor­teil, wenn man grund­sätz­lich mit der Insti­tu­ti­on Kir­che, mit dem Glau­ben, etwas anfan­gen kann, denn dann kann man das Ange­bot noch bes­ser nut­zen. Man kann natür­lich auch im Klos­ter zu Gast sein, ohne an den Gebets­zei­ten teil­zu­neh­men, sich an der Archi­tek­tur, der Aura und der lan­gen Geschich­te der Gebäu­de erfreu­en. Das wäre mir aber zu wenig, ich möch­te auch in das spi­ri­tu­el­le Ange­bot ein­tau­chen und alles mitnehmen.

Wel­chen Tipp geben Sie jeman­dem, der zum ers­ten Mal eine Klos­ter-Aus­zeit erlebt?

Alex­an­der Hofer: Man soll­te sich dar­auf ein­las­sen, sich das kom­plet­te Ange­bot anschau­en und ver­su­chen, in den Rhyth­mus, den der Tag dort bie­tet, hin­ein­zu­kom­men, auch wenn man dazu ein, zwei Tage braucht. Es zahlt sich aus. Wenn man mit­lebt, ein­taucht, alles aus­pro­biert, beob­ach­tet, was das Gan­ze mit einem macht, wenn man sich dar­auf ein­lässt, dann ent­wi­ckelt sich eine gro­ße Freu­de dar­an. Das ist die bes­te Emp­feh­lung. Unse­re Klös­ter sind schon sehr beson­de­re Orte, Ener­gie­plät­ze, an denen man ruhig wird und Zeit fin­det, über Gott und die Welt nachzudenken.

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